Bereich Variete im Neuen Theater ist nicht nur eine regionale Adresse in Frankfurt sondern eine bundesweite, insofern, als von hier eine Wiederbelebung des Genres, initiiert von Gerald Zier, ausging und damit die Welle der „Neuen deutschen Varietebewegung“ losgetreten war. Das Neuen Theater Höchst ist mittlerweile die älteste Varietespielstätte Deutschlands
...nicht falsche Sentimentalität oder Nostalgie hat die Theatermacher im Frankfurter Stadtteil Höchst einen neuen Start wagen lassen, auch nicht der Versuch, die Probleme dieser Welt hinter Glimmer zu verstecken: es gibt in unserer Gesellschaft eine wiedererwachtes Bedürfnis nach den lebendigen Künsten, nach einem Live-Erlebnis, das sich auch aus dem Unbehagen über durchtechnisierte Massen- und Medien-Kultur speist.
Nach den Glanzzeiten des Varietés um die Jahrhundertwende und in den Goldenen Zwanziger Jahren mit großen Häusern in allen Städten, in denen bis zu 3.000 Zuschauer Platz hatten und bis zu 200 Akteure auf der Bühne standen, verschwanden mit dem Krieg und in der Nachkriegszeit sämtliche Spielstätten so in Hessen im Rhein-Main-Gebiet das Frankfurter Schumann Theater, in Düsseldorf das Apollo, bis auf ein Haus in Deutschland, dem Hamburger Hansatheater in Karlsruhe etc. Nach über 40-jähriger Pause ist es dem Neuen Theater Höchst im Rhein-Main-Gebiet mit der Etablierung des Varieté durch Gerald Zier alias Zauberer Geraldino im Jahr 1987 als erster Einrichtung nicht nur gelungen für dieses Bedürfnis artistischer Live-Unterhaltung einen Ort zu schaffen, sondern auch aus der Randlage eines Stadtteils von Frankfurt heraus eine Idee wiederzubeleben, die sich fruchtbar auf zahlreiche andere Initiativen und mittlerweile 20 festen Varietes so unter anderem in Düsseldorf das Apollo Variete und über 30 Spielgelzeltvarietes in Deutschland ausgewirkt hat. Diese hat sich mittlerweile mit der neuen Identität von Varietékultur in vielen großen Städten Deutschlands in Verbindung gebracht wird. Dies wird auch deutlich bei Auftritten als Zauberer in Wiesbaden oder als Zauberer in Koblenz und nicht zueltzt auch dals Zauberer in Karlsruhe. Nach Schließung des Hamburger Hansatheaters vor 5 Jahren ist mittlerweile das Neue Theater in Frankfurt Höchst die älteste Spielstätte für Variete in Deutschland.
Große Namen der Varietégeschichte wie Gerd Maron und Bert Garden, die viele Jahre im Mouli Rouge in Paris, in Las Vegas oder im Friedrichstadtpalast Berlin gearbeitet haben, berühmte Clowns wie Tino Zacchini, Carlo Olds oder Rolly Brandt, der schon als Kind im Frankfurter Schuman-Theater aufgetreten ist, sind nur einige, die jetzt wieder im Varieté auf der Bühne des Neuen Theaters stehen. In über 45 Eigenproduktionen wurden über 200 verschiedene artistische Darbietungen in 20 Jahren präsentiert, die jeweils aufeinander abgestimmt, draturgisch eingebunden, und mit der musikalischen Begleitung durch das Varietequartet des Neuen Theaters akzentuiert werden.
Die Stars der internationalen Varieteszene aus Las Vegas sowie den Pariser Cabarets wie Lido, Moulin Rouge und Crazy Horse treten zusammen mit Nachwuchsartisten auf, die so von Künstlern, die noch die große Zeit des Varietés selbst kennengelernt haben, lernen und sich wieder zusammenfinden. Gerade hierdurch hat sich das Varieté im Neuen Theater sich einen Namen gemacht. Neue Darbietungen und künstlerische Entwicklungen werden vom Theater begleitet und gefördert und innerhaltb der Programme so positioniert, daß weitere Entwicklungsmöglichkeiten entstehen können. Diese dramaturgische Arbeit, die im engen Kontakt mit den Künstlern entsteht, überträgt sich zunehmend auf freie Varietéproduktionen, Galaveranstaltungen und Fernsehproduktionen, an deren Entstehung und Zusammenstellung das Neue Theater Höchst maßgeblich beteiligt ist.
Damit wird der innovative Charakter des Varieté für einen Bereich deutlich, der bislang im Gebiet der leichten Unterhaltung keiner Reflexion würdig oder nötig befunden wurde. Darbietungen der Varietékultur besitzen eine so außerordentlich stark integrierende Wirkung über altersbedingte, ideologische und soziale Unterschiede hinweg die Beachtung verdient. Breite Bevölkerungsschichten erwarten hier eine Alternative zur entfremdeten Medienlandschaft. In den leisen und lauten Tönen der Clowns und Akrobaten, der Zauberer und Jongleure wird mehr vermittelt als gemeinhin zu Kenntnis genommen wird. Diese feinen Formen der Sublimierung sind imstande, Gefühle von Lebensfreude und Kreativität, Nachdenklichkeit und Reflexion zu beleben. Es hat sich gezeigt, daß wir damit nicht nur bundesweit Signale setzten, sondern auch ganz praktisch und stadtteilnah die "Vorstadt" mit einer frischen und frechen Kultur beleben konnten.